Bullenhai – der gefährlichste Hai der Welt?

Haie gehören zu den am meisten gefürchteten Raubtieren auf der Welt und das, obwohl die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben wahrscheinlich keinem echten Hai begegnen werden. Ein besonders beeindruckendes Tier dieser Gattung ist der sogenannte Bullenhai. Das auch unter Namen wie Sambesihai, Stierhai sowie Gemeiner Grundhai bekannte Tier zählt zu der Familie der Requiemhaie (Carcharhinidae). Wir möchten Ihnen diesen Hai genauer vorstellen und uns zum Beispiel mit den Fragen beschäftigen, wie er zu seinem Namen kam, wo er zu finden ist, wie viele Angriffe in der Vergangenheit stattgefunden haben und noch vieles mehr.

Der Bullenhai – ein Raubtier, das seinem Namen alle Ehre macht

Der Bullenhai verdankt seinem Namen dem extrem kurzen sowie kräftigen Körperbau. Vor allem ist es aber seine Größe, die ein Ausmaß von bis zu 350 cm annehmen kann, die besonders beeindruckend wirkt und diesen Hai zu einem absoluten Prachtexemplar macht. Aber auch der Lebensraum, in dem diese Haie zu finden sind ist außergewöhnlich, denn er kann sowohl in Süß- als auch im Salzwasser vorkommen.

Bereits seit über 400 Millionen Jahren sind der durch seine Aggressivität berüchtigte Bullenhaie bzw. dessen Vorfahren in den Weltmeeren zu finden. Im Laufe dieser Zeit haben sie sich zu höchst effizienten und somit gefährlichen Raubtieren entwickelt, die ihre Beute auf besonders raffinierte und somit erfolgreiche Weise jagen. Vor allem die Sinnesleistungen des Bullenhais sind sehr stark ausgeprägt und verblüffen Biologen sowie Meeresforscher immer wieder aufs Neue. Tatsächlich kann angenommen werden, dass sich Bullenhaie besser an das Leben im Meer angepasst haben, als es dem Menschen in seiner eigenen Welt gelungen ist. Vor allem wenn man bedenkt, wie gefürchtet Haie und vor allem auch Bullenhaie sind, ist diese Tatsache besonders bemerkenswert.

Wie erkenne ich einen Bullenhai?

Wie bereits erwähnt, ist die Körperform des Bullenhais für dessen besondere Namensgebung verantwortlich, denn wer einmal ein Foto von diesem kräftigen Tier gesehen hat kann erahnen, warum dieser Hai an einen Bullen erinnert. Der Kopf eines Bullenhais zeichnet sich dadurch aus, dass er sehr kompakt ist und eine kurze breite Schnauze hat.

Der Bullenhai wächst sehr langsam und ist erst mit frühestens zehn Jahren ausgewachsen. Erwachsene Tiere wiegen zwischen 130 und 230 kg, wobei sich diese Haiart dadurch auszeichnet, dass das Männchen kleiner und auch leichter bleibt, als das Weibchen. Zudem besitzt der Bullenhai dreieckige Zähne und wie viele andere Haiarten auch über ein sogenanntes Revolvergebiss, bei dem mehrere Zahnreihen hintereinanderliegen. Verliert der Hai in einem Kampf Zähne, so ist es kein Problem, denn diese wachsen ständig nach. Ein Merkmal, das die Bullenhaie von anderen Haiarten unterscheidet, ist seine rechtwinklige Rückenflosse, die sich unmittelbar vor dem Schwanz befindet und kleiner ist. Die Farbgebung des Bullenhais zeichnet sich durch ein dunkles Grau aus, das jedoch an der Bauchseite immer heller wird, bis es fast ganz weiß erscheint. Bei Jungtieren kann jedoch oft gesehen werden, dass ihre Flossenspitzen bereits dunkel umrandet sind.

Das anpassungsfähige Raubtier

 Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Fischarten zeichnen sich Bullenhaie durch eine ganz besondere Eigenschaft aus. Sie besitzen nämlich die Fähigkeit, sich an den Salzgehalt des Wassers anzupassen und sich sogar im Süßwasser aufhalten zu können. Daher ist es durchaus möglich, diesem Raubfisch auch in Flüssen oder Seen zu begegnen, was bei anderen Haiarten nicht der Fall ist. 

 

Während Weibchen dazu neigen, ihre Jungtiere im Süßwasser zu gebären, ist der Bullenhai generell meist in eher trüben Gewässern wie Flussmündungen zu finden. Durch ihre besonderen anatomischen Fähigkeiten sind Bullenhaie in der Lage, Hunderte von Kilometern flussaufwärts zurückzulegen und tatsächlich sollen es Tiere bereits geschafft haben, über 4000 km auf diese Weise zu bewältigen. So konnte sich auch eine eigene Population im Nicaraguasee ausbilden, die unter dem Namen Carcharhinus nicaraguensis bekannt ist, jedoch nie offiziell anerkannt wurde. Diese Tiere zeichnen sich angeblich durch ein besonders aggressives Verhalten aus, was angeblich anhand der steigenden Zahl von Haiangriffe belegt werden kann.

Die Haupteigenschaft, die diesen Fisch jedoch so gefährlich macht ist, dass diese sich vor allem in sehr trüben Gewässern aufhält und daher oft erst in der letzten Sekunde bei einem Angriff zu sehen ist.

Wie pflanzen sich Bullenhaie fort?

Im Allgemeinen können Bullenhaie zwar als Einzelgänger bezeichnet werden, sie halten sich jedoch häufig über lange Zeit hinwegweg am selben Ort auf und können daher als standorttreu bezeichnet werden. Vor allem, wenn es Nachwuchs gibt, formatieren sich die Weibchen häufig zu Gruppen, wie es zum Beispiel in den Riffen vor den Küsten Floridas vorkommt. Warum das jedoch so ist, konnte bisher nicht richtig erforscht werden. Die männlichen Haie werden erst ab einem Alter von 18 Jahren zeugungsfähig, wobei sie zu dieser Zeit ungefähr eine Größe von 1,6 m aufweisen. Die Weibchen sind hingegen bereits mit 14 oder 15 Jahre, geschlechtsreif und kommen in dieser Zeit auf eine Größe von 1,8 Metern. Die Tragezeit beträgt in etwa 10 bis 11 Monate und das Ergebnis sind in den meisten Fällen bis zu 13 Jungtiere, die mit einer Körperlänge zwischen 55 und 80 Zentimetern das Licht der Welt erblickt.

Mittlerweile konnte aufgrund verschiedener Forschungsergebnisse nachgewiesen werden, dass Weibchen wahrscheinlich immer dieselben Flüsse und Seen für die Geburt ihres Nachwuchses aufsuchen und das über Generationen hinweg. Dieses Gebärverhalten kann ansonsten ebenfalls bei Lachsen beobachtet werden.

Der Lebensraum – Gibt es Bullenhaie im Mittelmeer?

Bullenhaie sind generell in tropischen oder subtropischen Gewässern anzutreffen, im Roten Meer und im Mittelmeer sucht man sie hingegen vergeblich.

Im Atlantik konnten Bullenhaie bereits zwischen Massachusetts und Brasilien, sowie zwischen dem Golf von Mexiko und den Bahamas beobachtet werden und auch von Marokko bis Angola sind sie zu finden. Zudem hat der Bullenhai an den Küsten Südafrikas bis hin nach Kenia eine Heimat gefunden.

Im Pazifik wurde der Bullenhai bis jetzt vor allem von Thailand bis nach Vietnam und auch Neu Guinea gesichtet. Aber auch in Australien bis hin nach Neukaledonien ist er heimisch sowie von Kalifornien bis nach Ecuador.

Wie bereits erwähnt, lebt dieses besondere Tier zweitweise oder sogar dauerhaft in Flüssen wie zum Beispiel dem Mississippi, dem Sambesi oder auch dem Amazonas. Ganze Populationen von Bullenhaien lassen sich auch im Nicaraguasee sowie im Ysabelsee finden. Hier lassen sich die Tiere keinesfalls nur zum Jagen oder Gebären nieder, sondern verbringen teilweise ihr ganzes Leben in den fließenden Gewässern.

Der Speiseplan der Bullenhaie richtet sich dabei ganz nachdem, was in den jeweiligen Flüssen oder Meeren an Nahrung zu finden ist. Dazu zählen zum Beispiel wirbellose Tiere, Fische, Rochen oder auch kleine Krebse. Es kann bei diesen Raubfischen jedoch vorkommen, dass ein anderer Hai oder sogar ein Jungtier der eigenen Art im Magen landet. Gejagt wird alles, was schwächer, langsamer und/oder kleiner ist als der Bullenhai selbst, wodurch diese auch für Menschen gefährlich sind.

In letzter Zeit tauchen darüber hinaus immer mehr Meldungen darüber auf, dass Haie in großen Schwärmen im Mittelmeer unterwegs seien. Bis jetzt gibt es jedoch nach unseren Informationen keine eindeutigen Hinweise darauf, dass Bullenhaie im Mittelmeer vorkommen.

Der Bullenhai und der Mensch – mehr Angriffe, als der weiße Hai?

Bullenhaie gehören zu den gefährlichsten, aber auch zu den faszinierendsten Haiarten, da ihr Jagdtrieb beeindruckend ist. Zwar gilt der Weiße Hai als besonders bedrohlich für den Menschen, man geht aber mittlerweile davon aus, dass viele Angriffe auf Menschen dieser Haiart zugeschrieben werden, die in Wirklichkeit von Bullenhaien verübt wurden. Da beide Haiarten dreieckige Zähne besitzen, ist die Zuordnung der Haiangriffe oft nicht ganz eindeutig.

Dem International Shark Attack Files des Florida Museum of Natural History zu Folge ist es bis heute zu 75 nichtprovozierten Bullenhaiangriffen gekommen, von denen 23 mit Todesfolge verliefen. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Dunkelziffer weitaus höher ist, jedoch aufgrund mangelnder Kenntnisse über den Bullenhai oder fehlender Kommunikation nicht gemeldet werden beziehungsweise der falschen Haiart zugeschrieben werden.

Häufige Fragen:

Hier finden Sie die Antworten auf gestellte Fragen zu Bullenhaien. Wenn Sie ebenfalls eine Frage haben, können Sie dieser gerne im Kommentarfeld posten.

Kommen Bullenhaie im Rhein vor?

In den letzten Jahren gab es immer wieder Berichte von Haien, die sich in den Rhein verirrt haben. Da Bullenhaie im Süßwasser leben können, besteht hier also theoretisch die Möglichkeit, dass Bullenhaie im Rhein leben. Auf der anderen Seite können Aufnahmen von Haien im Rhein sehr leicht gefälscht werden und es werden häufig als Scherz solche Videos verbreitet, wie man zum Beispiel hier sehen kann. Ob Bullenhaie im Rhein vorkommen, kann also nicht eindeutig beantwortet werden.

Wo finde ich gute Bilder von Bullenhaien?

Wenn Sie bei der Google Bildersuche das Wort „Bullenhai“ eingeben, werden zahlreiche Bilder dieser Art angezeigt. Hierbei sollten Sie jedoch darauf achten, dass es sich bei diesen Bildern teilweise um anderen Haiarten handeln kann. Achten Sie also unbedingt auf die weiter oben beschriebenen Merkmale! Zu den Bildern von Bullenhaien kommen Sie HIER.

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